Hiroshima ist, so wird es wohl allen bekannt sein, eine geschichtsträchtige Stadt. Außerdem ist sie Partnerstadt von Hannover, was wahrscheinlich nicht allen bekannt ist und auch nicht wirklich wichtig ist. Jedenfalls ist uns von Anfang an klar, dass wir Hiroshima besuchen werden, wenn es uns einmal nach Japan verschlägt. Ein bisschen mulmig ist uns im Bus von Kyoto schon zu Mute, denn wir wissen, dass wir mit ziemlich vielen grausamen Bildern und Geschichten konfrontiert werden würden. Aber was geschehen ist, ist geschehen und es ist ja auch wichtig, so etwas nicht zu vergessen und sich der Wahrheit zu stellen. Und die ist nicht immer so komfortabel wie eine Kokosnuss am Strand zu schlürfen. Deshalb machen wir uns am nächsten Tag auf den Weg zu den zwei wichtigsten Zeugnissen des Atombomben-Angriffs vom 6. August 1945, der bis 1946 zwischen 90000 und 166000 Menschen das Leben kostete. Das Peace Memorial Museum stellt die Geschehnisse, Zusammenhänge und Konsequenzen der Attacke sehr detailliert und sachlich dar. Gleichzeitig erzählen Überlebende auf Leinwänden von ihren Erlebnissen an jenem Tag, als auf einmal die ganze Stadt gebrannt hat. Für die meisten Besucher ist es am bewegendsten, sich die Einzelschicksale von bei der Attacke oder anschließend an Krebs gestorbenen Einwohnern durchzulesen und die zu den Menschen gehörigen Habseligkeiten ausgestellt zu sehen. Es finden sich Schuluniformen, Dreiräder und eine Treppenstufe mit menschlichem Schatten, der bei der Explosion in den Stein eingebrannt wurde. Wer bisher noch nicht begreifen konnte, wie katastrophal die Folgen von nuklearem Waffeneinsatz sind, hat dies spätestens jetzt vor Augen geführt bekommen. Anschließend machen wir uns bedrückt auf den Weg zum sogenannten Atomic-Bomb-Dome, einer Kirche, die nur wenige Meter vom Explosionszentrum der Bombe stand und dessen Grundmauern und Stahlgerüst der Kuppel teilweise noch erhalten sind. Dies hat wahrscheinlich damit zu tun, dass die Druckwelle der Bombe, die knapp 200 Meter über der Erde explodierte, mehr oder weniger senkrecht auf das Gebäude gedrückt hat und deshalb die Grundmauern nicht einstürzen lassen konnte. Inzwischen steht der Dom als Mahnmal mitten zwischen modernen Büro- und Wohngebäuden – ein gruseliges Überbleibsel, das aber für die Einwohner Hiroshimas nun einmal genau so zum Stadtbild gehört wie in Hannover die Kröpcke-Uhr. Nach unserem Besuch in Hiroshima sehen wir uns nur noch bestärkter in unserer Meinung, dass Waffen keinen Frieden stiften können. Zu schlimm sind die Folgen für die Menschen, die unter den Attacken leiden und zu kopflos geben PolitikerInnen und Militär Befehle, ohne zu bedenken, dass die Bomben Menschen treffen, die so sind wie wir: bei der Arbeit, gerade einen Kollegen begrüßend, auf einer Treppe auf die Öffnung der Bank wartend, mit einem Dreirad im Garten spielend oder unterwegs mit der Schulklasse. Hoffentlich wird so etwas nie wieder auf der Welt passieren! Die neue Stadt Hiroshima jedenfalls steht für Frieden und geht mit gutem Beispiel voran.

Okay ciao! Marli und Nils